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2011 - nogometni spektakel | ein Fußballtheater | un teatro calcistico

Wann?
15.10.2011 | 07.00–22.00 | Obrov, Čičarija (SI)

Wo?
slowenischer Karst | slovenski kras | carso sloveno

Kooperation:
mit dem UNIKUM Klagenfurt

Team:
teatr trotamora (AT) | unterstützt von der örtlichen Bevölkerung (SI)

Trainer:
Marjan Štikar (AT)

Gesang | Musik | Lärm:
Jozej Štikar (AT)

Kommentatoren:
Edi Gerdej (SI) | Alfi Seidl (AT)

Video | Co-Trainer:
Rudi Melcher

Lichtdesign:
Sonne (ersucht)

Technik:
Kristijan Rehsmann (AT) | Marko Sitter (AT)

Organisation:
Alina Zeichen (AT)

Spielort dieses spartenübergreifenden Kunstprojektes ist der kleine Fußballplatz in Obrov im slowenischen Karst nahe der kroatischen Grenze, der bereits durch seine Lage Symbolkraft besitzt. Er befindet sich am Grunde einer tiefen Doline abseits des Dorfes und erhält dadurch eine theaterhafte, fast unwirkliche Note. Für Marjan Štikar, den Leiter und Regisseur der Theatergruppe TROTAMORA, verkörpert der Platz nicht weniger als »die große Welt«: »Aus anfänglicher Distanz (Blick aus der Vogelperspektive) taucht das Publikum in ein inszeniertes Fußballspiel ein, in dessen turbulentem Verlauf die beiden gegnerischen Parteien allmählich zerfallen und aus zwei Konfliktparteien ein inhomogener Haufen versprengter und isolierter Individuen wird.« Der Bezug zu den Nationalitätenkonflikten in der Region sowie die Einbeziehung der örtlichen Bevölkerung sind – wie bei allen Theaterprojekten Štikars – integraler Bestandteil des Konzeptes und lassen ein ungewöhnliches, körperbetontes Theatererlebnis mit politischer Brisanz erwarten.

 

Nicht nur von Brot lebt der Mensch (Matth 4,4)
oder anderswo hilft die Feuerwehr, bei uns die Trotamora
oder Bericht einer Reise

Die Tschitscherei (Čičarija) ist ein slowenisch-kroatisches Grenzgebiet und besteht in Slowenien aus drei Orten: Poljane, Golac und Obrov. Auf dem Weg dorthin klopft es im Bus aus dem Kofferraum und wir wissen, das Theater hat begonnen. Die einheimische Polizei begleitet uns und erledigt ihre Arbeit. Zwei vermummte Typen – Flüchtlinge – stürzen aus dem Kofferraum des Busses und laufen vor den Augen der Polizisten davon – was für ein Beginn! Marjan arbeitet erstmals mit der Polizei zusammen.

In Poljane erwärmt uns ein Aufständischenlied und es werden Grafitti aus längst vergangenen jugoslawischen Zeiten sichtbar. Auch die ursprünglich dreihundertfünfzig, die hier lebten, erkannten, dass das ein heiliger Ort ist. Über dem Schoß der Doline – dem Ursprung des Daseins – erhebt sich ein Kirchlein. Heute ist der Ort mit seinen sieben Einwohnern längst verlassen und ein Steinhaufen, das Kirchlein ein Relikt. Aus der Doline jedoch erhebt sich biblisch ein Baum. Auf diesem hängt eine riesige Marionette, Hiobs Klage erhebend: „Verflucht sei der Tag, an dem ich geboren…“ und  wir sind mitten im Leben. Der Plerenke ward im Schoß der Erde geboren, erhebt sich und hat auf den Lippen einen einzigen Vorwurf: „Verflucht sei der Tag, an dem ich geboren…“

Außerhalb Poljanes ein Weiher, übersäht mit Blumen und eine Hochzeitsgesellschaft. Zur Musik des orientalischen Zauberers preist der selbstbewusste deutsche Bräutigam im Schatten einer vertrockneten Eiche alle Eigenschaften, die mit hartem, trockenem Holz verbunden sind, an. Die untertänige slowenische Braut besingt das weiche Holz der Linde. Die von der Hochzeitsgesellschaft ausgeteilten roten Herzen lindern die harten Worte und die Zuseher haben erstmals den Eindruck, dass sie Teil des Spiels sind – wir spielen das Leben.

Auf dem Weg aus Poljane nach Golac erfahren wir, dass erst vor einigen Jahren hier die Wasserleitung erbaut wurde und davor die Wasserversorgung über Brunnen erfolgte. Da ja angeblich das Wasser Ursprung allen Lebens ist, sucht der Mensch Wasser nicht nur auf dem Mond und dem Mars sondern im gesamten Weltall. Der Bedeutung des Wassers entsprechend empfängt uns am Brunnen der Wasserwächter (oder ist es der Wassermann). Sei es, wie es sei, die Einheimischen waren geschickt und bauten ihren Brunnen zwar nah am Friedhof, jedoch über diesem, damit der Leichensaft der Toten das Wasser nicht trübt, weil ja, wie man/frau weiß, das Wasser immer nach unten rinnt. In der Verabschiedungshalle beim Friedhof zeichnet die Wassergöttin mit ihrem Haar Bilder des Lebens. Auf der Wiese vor dem Friedhof  hören wir den biblischen Flutbericht und in Gedanken bauen wir mit Noe die Arche oder auch nicht.

In Golac gibt es nichts zu feiern, trotzdem gibt es noch ein Partisanendenkmal, ein Gasthaus und die Kirche. Die Jugend wird von der Gastwirtstochter gegeben, die nach einer SMS über ihr I-Phone vor dem Gasthaus ein Liebesballett tanzt. Im Schatten der Kirche die Aufschrift: „Verkaufen Grund und Pfarrhof“. Der Dorfälteste erzählt aus alten Zeiten und singt ein Lied so herzlich, dass die Anwesenden summend einstimmen. Jung und Alt berühren.

In Obrov am Grunde einer Doline ein Fussballplatz, der nach Marjan Štikar nichts weniger als „die große Welt“ verkörpert. Das „Unikum“ als Veranstalter verspricht uns im Begleittext: „Aus anfänglicher Distanz taucht das Publikum in ein inszeniertes Fußballspiel ein, in dessen turbulenten Verlauf die beiden gegnerischen Parteien allmählich zerfallen und aus zwei Konfliktparteien ein inhomogener Haufen versprengter und isolierter Individuen wird“. Trotamora gibt unter dem Motto: „Die Tore auf dem Fußballfeld sind die Eigentore der Beherrschten“ nur Andeutungen und Befehle, das Publikum folgt oder auch nicht. Zu Beginn spielen alle. Die Schauspieler fordern: „Lehnt euch auf, lasst euch nicht alles gefallen, empört euch“. Der Platzwart – die Linien ziehend – erläutert wiederholend, dass es sinnlos ist, es ist egal, „die da oben“ machen ohnehin, was sie wollen. Weil es zwar heiter, aber doch bitterkalt ist, weicht das Publikum gegen die Intention des Trainers in die Sonne aus – was für ein Gleichnis. Die, die bleiben, nehmen als Spieler am Endkampf teil und haben das Gefühl mitten drin gewesen zu sein. Später erfahre ich, dass Adolf Hitler über den Fußball sagte: „Die Welt ist ein Wanderpokal“. Und noch etwas: es spielt Laško pivo gegen Hirter Bier, Hirter gewinnt 2:1, warum, weiß niemand so genau. Vielleicht doch wegen der Hochzeit am Weiher.

Ich frage mich, was der Grund für die Schauspieler ist, unentgeltlich die Anstrengung einer solchen Inszenierung auf sich zu nehmen. Die Antwort kann wohl nur sein: anderswo hilft die Feuerwehr, bei uns die Trotamora.

Daher: nicht nur von Brot lebt der Mensch, sondern auch vom Theater.

Autor: Hanzi Wuzella

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